Vorbereitungen einer Weltreise oder „Mein Schwert kommt mit!“

„Ein ganzes Jahr auf Weltreise!?“ „Wie toll, wie großartig!“, „Ich beneide euch!“ und „Wie mutig!“ Aber auch: „Oh je, das wäre wirklich das letzte, das ich mir wünschen würde.“, „Habt ihr keine Angst?“, „Seid ihr verrückt, mit den kleinen Kindern?“ – Die Reaktionen auf unsere Idee waren unterschiedlich. Doch alle wollten wissen: „Wie bereitet ihr euch denn da vor? Wo wollt ihr hin? Was nehmt ihr mit? Und was sagen denn eigentlich die Papas der Kinder dazu?“ Tatsächlich, Fragen über Fragen und es gibt so viel zu bedenken. Zum Glück hatten wir ein Jahr Vorbereitungszeit, ein Jahr, das wir gebraucht haben.

Soviel gab es zu beachten, zu organisieren, zu planen und zu kaufen. Kindergarten- und Schulanmeldungen für die Kinder, das Haus untervermieten, Impfungen terminieren… Bevor es aber überhaupt losgehen konnte, hieß es, die Väter ins Boot holen. Ohne deren Zustimmung wären wir nicht gefahrahren. Die beiden haben eine enge Beziehung zu ihren Kindern, das ist so gewollt, von allen Seiten. Seit dem Tag ihrer Geburt sehen sie sich mindestens einmal die Woche und seit sie groß genug sind, sind sie jedes Wochenende einen Tag bei dem familiären Männerpaar. Entsprechend geschockt waren die beiden, als wir ihnen von unseren Plänen berichteten. Es gab keine Antwort auf unsere Mail. Drei Wochen lang. Wir bangten. Dann kam die Erlösung: „Ja, fahrt! Wir in eurer Situation würden dasselbe tun. Und außerdem können wir euch ja auch besuchen.“ Jubel!! Endlich konnte es ans Planen gehen.

Wohin sollte es gehen? Unsere Reiseroute festzulegen, hat uns bestimmt ein halbes Jahr gekostet. Die Welt ist groß und bunt – nur leider sind zwei lesbische, verheiratete Frauen nicht überall willkommen, auch nicht mit zwei kleinen Jungs. Dabei geht es natürlich um die Länder im arabischen Raum – schließlich wollen wir nicht eines Tages in den Nachrichten zu sehen sein: verschleiert, mit Angstaugen und bis zur Hüfte eingegraben. In den meisten Staaten Afrikas und etlichen in der Karibik wäre es für uns auch nicht sicher. Auch Russland besuchen wir deswegen nicht.

Grundsätzlich fielen Staaten dem Risiko politischer Unruhen weg. Länder, in denen wir ein gesundheitliches Risiko eingehen müssen würden, kamen ebenfalls nicht in Frage. Um etwaige Impfschäden zu vermeiden, wollten wir außerdem so wenig wie möglich impfen. Nach langen Recherchen und Diskussionen mit Kinderarzt und den Vätern – die beide Heilpraktiker sind und Impfkritiker – haben wir uns entschieden, zusätzlich zu den altersgemäßen Impfungen nur Tollwut, Typhus und Hepatitis A und B zu impfen. Länder mit hohen Krankheitsrisiken oder hohen Impfanforderungen wurden von der Liste gestrichen, auch wenn es manchmal schwerfiel wie bei Südamerika, wo lediglich Chile übrigblieb, oder Indien oder dem Himalaya. Übrigens ist es wichtig, mit dem Impfen rechtzeitig anzufangen, bestimmt ein dreiviertel Jahr vor der Reise, denn Folgeimfungen brauchen manchmal eine, manchmal zwei Wochen Abstand zur nächsten Impfung. Wenn dann noch einmal eine Erkältung dazwischen kommt, kann es unverhofft knapp werden.

Weil wir auch klimatisch keine bösen Überraschungen erleben wollten, haben wir die Länder, in denen Regenzeit, übergroße Hitze, Kälte oder Taifune drohten, entweder von der Liste gestrichen oder die Reiseroute entsprechend der Wetterdaten gelegt.

Die Flugbuchungen, die wir im Vorfeld erledigt haben, brachten weitere Länder-Reduktionen mit sich. Wir wollten möglichst wenig lange Flüge, möglichst gering im Preis, entsprechend der Reihenfolge, die uns die Klimatabelle diktierte. Unter diesen Voraussetzungen waren einige unserer Wunschländer schlicht nicht zu erreichen oder aber der Flug war zu teuer.Vorbereitungen einer Weltreise oder "Mein Schwert kommt mit" - unsere Route - © OpenStreetMap-Mitwirkende, www.openstreetmap.org Around-the-world-Tickets waren ebenfalls nicht möglich, denn sie sind an Fluggesellschaften und  deren Allianzen gebunden. Jedes Ticket bietet nur bestimmte Destinationen, freie Wahl ausgeschlossen und das war mit unseren Zielen nicht vereinbar. Am Ende blieben 14 Länder, die wir in den 12 Monaten besuchen wollten: IrlandKanada USA ChileNeuseelandSingapurPhilippinen – Vietnam – China – Mongolei – Seoul/ Südkorea – Bali/Indonesien – Istanbul/  Türkei – Österreich.

Nachdem die Reiseroute stand, half das Internet bei weiteren Vorbereitungen. Was nehmen wir mit? Was nahmen andere mit?  Es gibt einige gute Blogs zum Thema Weltreise. Besonders hilfreich war die Seite „Planet Backpack“ von Conni Biesalski, die einen der erfolgreichsten Reiseblogs betreibt und eine sehr ausgefeilte Packliste ausgearbeitet hat. Damit kann eigentlich nichts schief gehen. Auf der Seite „weltreise-mit-kind„, auf der Amelie und Malte Clavin über ihre Weltreise mit ihren beiden Töchtern erzählen, fanden wir zusätzlich familienspezifische Themen, die das Kofferpacken für die Kinder vereinfacht haben, gerade was die Reiseapotheke anging. Zusätzlich können wir nach über einem halben Jahr Weltreise sagen: Packt für eine wirklich lange Reise nicht eure Lieblingssachen ein. Nach intensivem Dauergebrauch löst sich einfach alles auf. Abgesehen davon, dass auch einiges verloren geht.

Über die Art unseres Reisegepäcks haben wir natürlich auch lange nachgedacht. Welche Reisetaschen sollen wir auswählen? Rucksäcke, Rollkoffer? Eine große? Viele kleine? Klar war, jede von uns wollteVorbereitungen einer Weltreise oder "Mein Schwert kommt mit" - unser Gepäck eine eigene Tasche haben. Klar war auch, sie müssten groß genug sein, um sowohl unsere, als auch die Sachen der Kinder zu fassen – inklusive Regensachen und Gummistiefel. Unsere Wahl fiel deshalb am Ende auf die gepriesenen Rollkoffer von Osprey, in deren Rückseite auch ein verstecktes Tragesystem integriert ist. Nach einem halben Jahr  sind wir immer noch begeistert, die Koffer sind einfach ein Packwunder und dazu wirklich sehr robust.

Das Tragesystem haben wir zum Glück noch nicht wirklich ausprobieren müssen. Petra hat sich allerdings einmal spaßeshalber den gigantischen Koffer auf den Rücken geschnallt – und war erstaunt, dass das schwere Teil doch tatsächlich tragbar ist. 

Unser Reisegepäck wird ergänzt durch eine aufblasbare Sitzerhöhung für Anton und einen Kindersitz für Theo, die wir mit uns herumschleppen, weil wir in Irland, Kanada, den USA und in Neuseeland nicht ohne solche Sitze Autofahren dürfen. Das hat in der Vergangenheit in Deutschland schon zu absurden Situationen geführt: Du stehst am Flughafen und kein Taxi nimmt dich mit. Verboten ohne Kindersitz, und die Taxifahrer haben natürlich auch keinen dabei. Dazu gab es – bis sie uns in Santiago geklaut worden sind – Rucksäcke als Handgepäck sowie einen Mini-Rucksack mit Spielzeug für die Kinder.

Ihnen haben wir übrigens von Anfang an von unseren Reise-Plänen erzählt. Theo hat die Dimensionen natürlich noch nicht verstanden, aber Anton brauchte das Jahr Zeit, um sich auf die große Veränderung in seinem Leben einstellen zu können und hat schon von Anfang an in der Kita erzählt: „Ich fahre zu den Indianern. Morgen!“ Ein Weltkarte im Zimmer half, sich ein erstes Bild von der großen Welt zu machen, ein beleuchteter Globus ebenfalls.

Wir erzählten viel Vorbereitungen einer Weltreise oder "Mein Schwert kommt mit!" - Spielzeugvon anderen Ländern, von Ureinwohnern in Amerika und Neuseeland, von Rittern in Irland und natürlich von Dinosauriern. Wir blickten in leuchtende Kinderaugen. „Was darf ich alles mitnehmen? Mein Indianerkostüm, meine Dinosaurier? Nicht alles?! Aber mein Schwert kommt mit!“ Am Ende waren  es ein paar Tierfiguren, Stifte, Pixie- und Malbücher. Sowieso, haben wir inzwischen festgestellt, ist Spielzeug  wie Treibholz – es kommt und es geht auch wieder.

Außerdem haben wir in Zeiten digitaler Segnungen wunderbare Apps geladen, die unsere Kinder gerne und immer wieder spielen. Der Faulpelz Fiete, der Hilfe braucht, um seinen Bauernhof an der Nordsee am Laufen zu halten und Tiere, deren Wasserversorgung sichergestellt werden muss. Auch die Oma, die einen Dieb verfolgt und dabei unglaubliche Sprünge vollbringt, wird gerne genommen, neuerdings der Brettspiel-Klassiker Dame und natürlich das digitale Musikbuch „Elefantenpups„, in dem all orchestralen Instrumente vorgestellt werden. Das rettet uns in manch langer Stunde in Bus, Flugzeug oder Bahn.

Unsere Sachen, die vor der Reise, locker ein ganzes Zimmer füllten, passen letztendlich doch in die beiden Koffer. Das erstaunt uns unterwegs immer wieder. Auch, dass sich das Ausmaß unseres Reisegepäcks nicht wesentlich von dem eines zweiwöchigen Familienurlaubs unterscheidet. Aber es gibt eine Menge Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Zum Beispiel gibt es Mikrofaserhandtücher, die rasend schnell trocknen, aber winzig klein zu falten sind. Vakuumtüten, die Wäsche schrumpfen lassen. Eine Wäscheleine, die keine Klammern braucht. Und unsere unverwüstliche Picknickdecke mit Kunststoff unten, da ist es egal, wie der Untergrund ist und sie taugt auch mal als Regenschutz, Anton hat sie „Gewitterdecke“ getauft. Die Drei-in-einem-Hose mussten wir unter Tränen nach einem halben Jahr beerdigen, aber als Arbeitshose wurde sie auch arg geschunden. Alex schwört auf eingelaufene Leder-Wanderschuhe, Petra liebt ihre Jeans. Vorbereitungen einer Weltreise oder "Mein Schwert kommt mit" - In NeuseelandOropax sind unverzichtbar. Genauso wie die großen türkischen dünnen Baumwolltücher. Sie taugen als Strandtuch, Zudecke, Kleid oder Rock, wichtiges Verkleidungsutensil oder zum „Hausbau“ der Kinder. Unverzichtbar schienen uns vorher Bücher, als e-book und in natura, aber wir kommen schlichtweg kaum zum Lesen. Auch Petras Malutensilien schlummern in einer Kofferecke und Tagebücher bleiben ungeschrieben. Aber wer weiß, was noch kommt?

Als Fazit nach einem halben Jahr stellen wir fest: Du brauchst viel weniger, als du denkst. Und: eine Weltreise mit Kindern zu planen, ist kein Hexenwerk. Erst recht, wenn die Zeit im Alltag nur zum Planen des Nötigsten reicht. Für Irland hat sich Alex noch Zeit nehmen können, fast alle Unterkünfte waren gebucht, die Couchsurfer angefragt und bestätigt, ebenso etliches in Kanada, New York und der Besuch bei Farmer John im Mittleren Westen.

Ab Kalifornien endete die Planung, das Spontane hielt Einzug. Zu Anfang, in San Francisco, kostete uns das Zeit und Nerven. Von wegen leichtes Leben in Kalifornien! Aber oft ist das Ungeplante gerade spannend, wenn einem die Welt offen steht und du dich dem Schicksal hingeben kannst. Vielen wundervollen Menschen wären wir ohne „Planlosigkeit“ im Vorfeld nicht begegnet. So ein Reisen ist nicht immer einfach, braucht Zeit und manchmal Anspruchslosigkeit. Etwas, was wir unterwegs lernen. Und zwar vor allem von unseren Kindern. Sie sind auch im Dreck glücklich. Wenn wir im Auto sitzen und am Abend noch keine Unterkunft haben, schlafen sie eben, werden umgebettet und sind am Morgen trotzdem quietschfidel. Wenn uns etwas nicht gefällt, finden wir garantiert etwas, was beweist: Genau deswegen sollten wir dorthin. Insofern: Weniger ist mehr, in jeder Hinsicht.

 

Petra & Alex

Petra & Alex

Wir sind Alex und Petra und betreiben zusammen diesen Blog. Wir sind seit 2002 verliebt, seit 2007 verheiratet und Eltern zweier toller Jungs. Alex ist gelernte Landwirtin, Autorin und an allem interessiert, was Körper und Seele erfreut. Petra war viele Jahre Talkshow-Autorin fürs Fernsehen und malt leidenschaftlich großformatige Bilder. VonAugust 2014 bis August 2015 haben wir als Familie eine einjährige Weltreise gemacht. Danach haben wir, auch als Konsequenz unserer Reise, unseren eigenen kleinen Bio-Hof "Ackerperlen" gegründet. Das Abenteuer geht also weiter.
Petra & Alex

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2 Kommentare zu “Vorbereitungen einer Weltreise oder „Mein Schwert kommt mit!“

  1. Begzsuren

    thank you for your living with my Mongolian family and, good luck to your countryside trip in Mongolia.

    1. Petra

      Hi Begz, thank you again for inviting us, our stay at your home was our very special highlight in our journey! Best wishes to all of you, Petra & Alex

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