Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde

Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - In Cebu CityWir sind in Cebu City. Ich laufe mit Theo auf dem Rücken zum nahen Supermarkt. Die Sonne geht unter und die Luft schwirrt gelbgoldbraun. Nicht vom Sonnenuntergang, sondern durch die Luftverschmutzung. Ich habe noch nie solch einen Dreck in der Luft gesehen. Es riecht nach Abgasen, Müll und Verbrennung. Die Menschen um mich haben dicke Tücher um den Mund geschlungen. Ich versuche behelfsmäßig für mich und meinen Sohn ähnlichen Atemschutz zu basteln und ich hoffe inständig, dass ich ihn auf dem kurzen Weg nicht vergifte. Im Supermarkt werde ich gefragt, warum Theo nur eine Windel trägt, er werde doch krank dort draußen. Sie meinen, wegen der „kalten“ Abendluft. Es sind aber immer noch mindestens 30 Grad. Eine drohende Erkältung ist im Moment meine geringste Sorge. Ich habe Angst vor dem Rückweg. Wie können die Menschen in diesem Moloch leben?

Dass Cebu City eine Herausforderung werden würde, wussten wir vorher. Schon bei der Ankunft sind wir auf dem Weg nach Malapascua Island durch dieses Geschwür von Stadt gefahren und haben vornehmlich auf Abenteuerliches geblickt: Unendlich viel Müll, Slums, Behelf. Nur selten gab es auch schickere Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - DEDON-Sessel "Nestrest", © DEDONEinkaufsmalls und etwas modernere Viertel. Doch genau wegen der Slums sind wir hier. Wir wollen in Cebu City Bobby Dekeyser treffen. Der Unternehmer, der die exklusive Gartenmöbelfirma DEDON gegründet hat, lässt hier nicht nur seine aus Kunststoff gefertigten Luxusmöbel mit Namen wie „Barcelona“, „Daydream“ und „Orbit“ produzieren. Er hat hier mit seiner Stiftung „Dekeyser & Friends“  außerdem ein ganz und gar erstaunliches Hilfsprojekt ins Leben gerufen. Menschen, die seit Generationen unter grauenvollen Umständen auf den Müllhalden Cebus leben, ein neues Zuhause zu bieten, das ist ein Herzensanliegen für Dekeyser.

Ich hatte den Unternehmer noch während meiner Tätigkeit für die NDR Talk Show getroffen. Er war anlässlich der Veröffentlichung seines Buches „Unverkäuflich“ eingeladen und „mein“ Gast. Das bedeutet, dass ich mit ihm das vorbereitende Interview geführt, sowie die Aspekte, die in der Sendung besprochen werden sollen, ausgewählt und die Fragen für die Moderatoren vorbereitet habe. In meinem 10 Jahren Arbeit für die Talksendung ist mir selten ein vielschichtigerer, mutigerer und visionärerer Gast begegnet.

Warum? Weil sich seine Lebensgeschichte liest wie ein Krimi. Rückschläge, Erfolge, extreme Tief- und absolute Höhepunkte – es gibt nichts, was es nicht Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Bobby Dekeyser, Gründer von DEDONgibt im Leben von Bobby Dekeyser.  Er sagt in seinem Buch über sich selbst: „Wäre es nach meinen Lehrern gegangen, nach vielen Wirtschaftsprüfern oder all diesen Mahnern und Nörglern, die sich hinter ihrer Angst und ihren klugen Ratschlägen verschanzen, hätte es meine Geschichte niemals geben dürfen.“ Tatsächlich, dass aus dem ehemaligen Schulschwänzer und -abbrecher, dem ehemaligen Fussballprofi, heute ein Unternehmer geworden ist, der seine Produkte nach Hollywood und in die jordanischen Königshäuser verkauft, ist schier unglaublich. Allein deswegen ist sein auch noch gut geschriebenes Buch lesenswert.

Beeindruckt hat mich aber auch seine Firmenethik, die für ihn noch vor der Entscheidung für ein Produkt feststand. Damals, als Dekeyser noch nichts von Outdoor-Möbeln wusste, hatte er die Vision von „einer warmherzigen, freundlichen Umgebung, in der Menschen gemeinsam schöne Dinge schaffen.“ Außerdem wollte er, so verriet er in einem Interview, „etwas mit der Familie und Freunden machen, das Spaß macht und wovon wir alle leben können.“ Dass es möglich ist, mit einer solchen Vision ein börsennotiertes Unternehmen aufzubauen, ist schon bemerkenswert.

Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - DEDON-Sessel "Dala Loveseat", © DEDONAber es muss tatsächlich Spaß machen für Dekeyser zu arbeiten. Über die DEDON-Unternehmenszentrale im Gewerbegebiet in Lüneburg heißt es, sie wirke wie ein merkwürdig gelegener Ferienclub: Den Angestellten steht ein Fitnesscenter, ein Spa mit Sauna und Dampfbad sowie ein Fußballfeld zur Verfügung. Es gibt einen Billardtisch und einen Garten, Personal Trainer geben Unterricht, eine sizilianische Köchin sorgt für das leibliche Wohl – selbstverständlich alles gratis.

Die Produktion der DEDON-Möbel ist auf die Philippinen ausgelagert. Warum ausgerechnet hier im Billiglohnland? Die philippinischen Flechter sind für ihr Handwerk berühmt. Für Dekeyser gibt es keine besseren. Die DEDON-Firmenzentrale ist nach wie vor in Lüneburg, hier zahlt Dekeyser auch seine Steuern. Die Arbeitsbedingungen auf den Philippinen, so heißt es, orientieren sich am europäischen Standard. Auch hier gibt es kostenloses Essen. Ohrenschützer und Schutzbrillen sind für die Arbeiter ebenso selbstverständlich, wie die firmeneigene Busse, die die Arbeiter aus den Dörfern zur Fabrik und wieder zurück bringen. Außerdem gibt es für alle eine Krankenversicherung und überdurchschnittlichen Lohn. Und damit die Männer ihr Gehalt nicht gleich in Schnaps und Hahnenkämpfe investieren, wurden Familienkonten eingerichtet, auf das auch die Ehefrauen Zugriff haben.

Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Die DEDON-Faser Konnte das alles wahr sein? In Zeiten der Alles-Optimierer, wo outgesourct und verschlankt wird, in Zeiten, in denen es offensichtlich nur darauf ankommt, so geräuschlos wie möglich deine Rädchenaufgabe im System zu erfüllen, erschien mir dieser Arbeitsansatz geradezu märchenhaft. Und dann ist Dekeyser mit seiner weltweit führenden Outdoor-Möbel-Marke – entgegen aller betriebswirtschaftlicher Weisheiten – auch noch so überaus erfolgreich. Nach der Sendung erzählte ich Dekeyser von unseren Weltreiseplänen und höchst interessiert lud er mich und meine Familie ein, ihn, seine Firma auf den Philippinen und sein Projekt mit den Menschen von der Müllhalde zu besuchen. Begeistert sagte ich zu. 

Nun sind wir also in Cebu City und das zuvor als vermüllt wahrgenommene Malapascua erscheint uns plötzlich wie das reinste Paradies. Wir übernachten wir im „Cebu Guesthouse“, einem billigen und sehr, sehr lauten Hostel, das aus unerfindlichen Gründen sehr gute Bewertungen im Internet erhalten hatte. Es liegt direkt an der viel befahrenen Mango Avenue, hat ein Familienzimmer, einen Papagei im Innenhof und eine Küche, in der wir uns selbst unser Frühstück bereiten können. Als wir am nächsten Morgen die durchdringenden Fäkalgerüche riechen, die direkt aus dem Ausguss der Spüle kommen, vergeht uns allerdings der Appetit.

Hier treffen wir auf Markus, einen deutschen Veranstaltungsmoderator, der sich drei Monate freigenommen hat und nun durch Asien reist. Das macht er regelmäßig, seine Familie und seine Frau gönnen ihm die Auszeit. Den restlichen Teil des Jahres ist er unter der Woche Hausmann und am Wochenende als Moderator eingespannt. Er ist glücklich mit seinem Konstrukt, denn es bietet ihm ein hohes Maß an Freiheit. Sehr tolerant, diese Ehefrau. Aber das Lebensmodell gefällt uns. Frei zu sein in den eigenen Entscheidungen. Zu tun, was wirklich glücklich macht. Immer. Dass diese Freiheit erst durch Geld ermöglicht wird, ist die andere Seite der Medaille. Wie wir diese Zwickmühle für uns in Zukunft lösen werden? Mal sehen. Wir nutzen die Reise auch, um Mut für einen Neuanfang zu sammeln.

Nach unruhiger Nacht im viel zu heißen Zimmer fahren wir am nächsten Morgen in die DEDON-Fabrik und tauchen in eine absurde Parallelwelt ein. Schon die Auffahrt ins Firmengelände macht deutlich: Hier ist es anders. Fünf große Buchstaben stehen in der Einfahrt und geben Besuchern einen ersten Eindruck von dem, was ihn hier erwartet: D – Discipline, R – Respect, I – Integrity, V – Volunteerism, E – Excellence. DRIVE. Die DEDON-Ethik.

Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Schweißarbeiten bei DEDONDass das nicht nur leere Worte sind, erfahren wir bei der Führung durch moderne, helle und klimatisierte Hallen, in denen die Herstellung der luxuriösen Objekte überaus strukturiert abläuft. Jeder der kleinteiligen Arbeitsprozesse wird uns erklärt, wir sehen den Schweißern bei ihrer Arbeit an den Rahmen zu, besuchen die Flechter, die mit der DEDON-Faser kunstvoll weben – die Kinder versuchen ihr Bestes, es ihnen nachzutun -, und in der Polsterei nähen die Näherinnen Kissen um Kissen. Die Auftragsbücher sind zum Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - In der Näherei von DEDONPlatzen gefüllt, sie kommen nicht nach mit der Arbeit, weswegen externe Sub-Unternehmer engagiert wurden, um dem Übermaß der Arbeit Herr zu werden. Wir hoffen, dass die Sub-Unternehmer Dekeysers Arbeits-Ethos teilen.

Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Flechter bei DEDONIn der Fabrik spürst du ihn jedenfalls in jeder Ecke. Die Arbeiter tragen T-Shirts mit der Aufschrift „I am a quality artist“, überall finden wir Schilder, die daran erinnern, wie wichtig der Beitrag jedes Einzelnen ist. Hier herrscht Respekt. Respekt für jeden einzelnen. Und wenn du so gewertschätzt wirst, gibst du sicher gern deine Energien und Ideen, um noch besser zu sein. Dazu ist zumindest jeder aufgerufen. Die engagiertesten Arbeiter werden in einer Art Bestenliste ausgezeichnet, wie wir bereits beim Eingang sehen konnten.

Ja, die Arbeitsbedingungen sind exzellent, selbst für Europa. Hier auf den Philippinen müssen sie allerdings wie von einem anderen Stern Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Motivationsschild bei DEDONwirken. Wie viel Lohn die engagierten Arbeiter und Arbeiterinnen kriegen? Ein Blick ins Internet hilft: In Manila sind es für einen Arbeiter acht Euro am Tag, die Stadt hat die durchschnittlich höchsten Einkommen auf den Philippinen. Ausländische Firmen zahlen meist besser als einheimische, außerdem gibt es, wie bei DEDON auch, oft nicht-monetäre Zusatzleistungen.

Nach der Führung treffen wir Bobby Dekeyser, der soeben von einem Besuch der Müllhalde zurückkehrt, auf der noch immer Menschen in unvorstellbaren Verhältnissen leben. Trotz der sicher aufwühlenden Eindrücke schafft Dekeyser innerhalb kürzester Zeit, zu uns und vor allem zu unseren Kindern eine echte Verbindung aufzubauen – eine Qualität, die ich schätze. Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Bobby Dekeyser und Markus WasmeierIm Auto, das uns nach Compostela Village bringen soll, begegnen wir auch noch Markus Wasmeier. Der ehemalige Skiweltmeister ist schon lange mit Bobby Dekeyser befreundet. Er engagiert sich bei unterschiedlichen sozialen Projekten und unterstützt auch die Stiftung „Dekeyser and Friends„, bei der namhafte Persönlichkeiten jungen Menschen ihre Zeit und Erfahrung zur Verfügung stellen, um sie in ihrem Engagement bei sozialen, wirtschaftlichen, sportlichen oder musischen Projekten zu unterstützen. Eins der ersten Projekte war 2010 das Umsiedlungs-Projekt Compostela Village, das wir heute besuchen.

Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Compostela-VillageWir schauen auf ein von Gärten umgebenes, kleines Bergdörfchen, idyllisch inmitten eines Palmenwaldes. Sofort umringen uns neugierig die Kinder. Dass Erwachsene sie besuchen, kennen sie. Unsere Kinder sind jedoch eindeutig eine besondere Attraktion. Es gibt eine Kirche hier und einen Gemeinderaum, der ist der Mittelpunkt des Dorfes. Hier finden alle wichtigen Besprechungen statt, und als wir ankommen, werden die Kinder des Dorfes unterrichtet.

Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Im Compostela VillageWer malt das schönste Bild? Unsere Kinder werden in die Mitte genommen, Papier wird herüber gereicht und Stifte. Theo fühlt sich inmitten der vielen Kinder gleich wohl, kein Wunder, erfährt er doch besonderen Schutz, er wird beschmust, getragen, geküsst – wieder einmal fällt uns auf, wie gut sich Kinder auch ohne gemeinsame Sprache verstehen.

Im hinteren Teil des Gemeinderaums treffen wir auf Stefan Krücken. Er ist der Verleger des Buches von Bobby Dekeyser und ich hatte mit ihm bei der Vorbereitung von Dekeysers Auftritt in der NDR Talk Show zusammen gearbeitet. Er war früher Journalist, berichtete für Magazine wie MAX, Stern und GQ. Die Oberflächlichkeit, die das Metier mitunter haben kann, ließ ihn vor ein paar Jahren aussteigen. Zusammen mit seiner Frau gründete er 2006 den Ankerherz-Verlag, mit dem er seither Bücher verlegt, die ihm am Herzen liegen. Wieder einmal sehen wir: Mut lohnt sich.

Nach wie vor mit Dekeyser eng verbunden, Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Im Compostela Villageinterviewt er für die Stiftung gerade die Bewohner des Dorfes und befragt sie nach ihren Lebensgeschichten. Wir halten uns im Hintergrund und sehen auch so, dass es schwere Schicksale sind, die sich hier versammeln. Die älteren Mädchen, erzählt uns Krücken später, die noch auf der Müllhalde gelebt haben, haben alle vernarbte Füße, weil es auf der Müllhalde zum Tagesgeschäft gehört, das Isoliergummi von den Kabeln und Drähten zu brennen. Und wenn du barfuß läufst, verbrennst du eben.

Narben haben hier ohnehin alle – offensichtliche und weniger sichtbare. Die Männer schleichen wie geschlagene Hunde herum. Dekeyser erzählt uns, dass sie die größten Probleme haben, ihr Leben auf der Müllhalde aufzugeben. Status, Respekt, Einkommen, das verlieren alle zunächst, wenn sie die Müllkippe aufgeben. Die Frauen kommen viel besser mit der Umstellung zurecht, sie weinen vor Glück, wenn wieder ein Platz frei wird und sie und ihre Kinder die Müllhalde verlassen dürfen. Abgesehen von den schrecklichen Lebensbedingungen, dem Gestank, dem Dreck und dem ewigen Hunger, gibt es keinerlei Sicherheiten dort. Ein Menschenleben gilt nicht viel und im Drogenwahn wird schnell gemordet.

Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Im Compostela-VillageTrotzdem, es ist nicht so, dass alle nur glücklich sind, hier zu leben. Zwei Familien sind sogar wieder zurück gezogen. Dekeyser erzählt, dass es sehr, sehr lange gedauert hat, bis die heutigen circa 500 Bewohner überhaupt verstanden haben, das der Wegzug von der Müllhalde etwas Positives bedeuten kann. Das Einkommen, das die Bewohner des Dorfes hier mit Landwirtschaft verdienen können, fällt eben viel geringer aus, als der Handel mit dem Müll einbringt. Außerdem mussten alle Bewohner überhaupt erst lernen, was es heißt, ein normales Leben, eine normale Arbeit, eine Wohnung zu haben. Einen Platz, an dem sie sich an Regeln halten müssen, die nicht per Faustrecht ausgehandelt werden – der schwierigste Part der Umsiedlung.

Die Frauen waren und sind die Triebkraft, dass das Projekt heute ein Erfolg ist. Sie haben begriffen, welche Chancen für ihre Kinder hierÜber Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Im Compostela-Villageliegen. Und es wurde auch von Stiftungsseite viel richtig gemacht. Zum Beispiel ist das Dorf nicht einfach nur mit Dekeysers Geld hingestellt, vielmehr waren die zukünftigen Bewohner des Dorfes jahrelang in die Planung und Gestaltung des Dorfes einbezogen und später auch in den Bau des Dorfes involviert. Zudem sind ihnen die Häuser nicht geschenkt worden, denn das würde sie mehr oder weniger wertlos machen. Stattdessen wurden sie per Micro-Kredit finanziert. In circa 30 Jahren werden die Häuser den Bewohnern wirklich gehören und – sie haben ihre Ehre behalten.

Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Schmuckherstellung im Compostela-VillageSeit neuestem haben die Frauen hier eine weitere Möglichkeit, Geld zu verdienen. Carolin Dekeyser, Bobbys älteste Tochter, hat hier eine kleine Schmuckmanufaktur eröffnet und stellt Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Perlen von Nay Paladmit den Frauen des Dorfes Ketten und  Armbänder her. „Nay Palad“ hat sie dieses Experiment genannt. „Nay“ bedeutet Mutter und „Palad“ kann mit Handfläche oder auch Schicksal übersetzt werden. Passend für die Frauen und Mütter, die hier Perlen fädeln und ihr Schicksal in die Hand genommen haben.

Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Im Compostela-VillageIhre Kinder sind der beste Beweis, dass sich ein Leben hier lohnt. Wir schauen in Gesichter mit fröhlichen Augen, unverstellt noch und offen. Anton ist anfangs von so vielen Kindern überfordert, nach über einem halben Jahr Weltreise ist er das einfach nicht mehr gewöhnt. Schließlich bricht ein kleiner Welpe das letzte Eis. Er wird hingebungsvoll bekuschelt und wandert von Arm zu Arm. Später jagen sich die Kinder durchs Gelände, der Hund mittendrin, und sie spielen Ball – zum Glück des Welpen ohne ihn. Wir kommen mit ein paar älteren Mädchen ins Gespräch. Sie sprechen englisch, gut genug, uns nachÜber Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Im Compostela-Village unserer Familienkonstellation zu fragen: „Seid ihr Schwestern?“ Unsere offene Antwort erstaunt, sie kichern. „Zwei Frauen, verheiratet?“ Aber sie bleiben neugierig. Und offen: „Zwei Frauen gründen eine Familie? Warum nicht.“

Wir gehen mit Bobby Dekeyser durch die Gärten des Dorfes – besonderes Interessensgebiet für Alex. Es gibt Beete mit Gemüse und  Kräutern, Palmen liefern Kokosnüsse – eigens für die Besucher werden unter halsbrecherischen Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Kokosnüsse besiegeln FreundschaftenUmständen ein paar von ihnen gepflückt, die die Kinder später begeistert austrinken.  Wir sehen Schweine, Ziegen, Hühner, deren Fleisch und Eier auf dem nahen Markt verkauft werden. Es scheint, alles gut aufgestellt zu sein hier im Dorf, doch Dekeyser wünscht sich mehr. Zu wenig geschieht aus eigenem Antrieb, findet er. Die Dorfbewohner bräuchten ständige Anleitung. Die Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Im Garten von Compostela-VillageLandwirtschaft könnte weiter entwickelt sein. Er will sich zukünftig mehr auf dieses Projekt konzentrieren, ein Rat, den ihm auch Markus Wasmeier gibt. Statt auf zu vielen Hochzeiten präsent zu sein, sich ganz auf eins zu konzentrieren – er selbst hat es als sehr bereichernd empfunden, als er gemeinsam mit den Praktikanten der „Dekeyser & Friends“-Stiftung sein Bauernhof-Museum in Deutschland aufbaute.

Dekeyser genießt die Momente, die er mit den Kindern hat. Er tobt mit ihnen, macht Späße, hört ihnen zu und hat seine gesamte Aufmerksamkeit auf sie gerichtet. Geben und Nehmen ist in diesem Moment gleich verteilt. Als wir schließlich nach diesem ereignisreichen Tag wieder zurück nach Cebu City fahren, winken uns die Kinder noch lange nach. Und auch wir sind erfüllt. Es ist schön, zu wissen, dass es für diese Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde - Im Compostela-VillageKinder eine Zukunft geben wird. Und auch, dass börsennotiertes Unternehmertum nicht zwangsläufig zu Herzlosigkeit führt. Wie unsere Kinder diesen Tag fanden? Gut! So viele Kinder! Zu wissen, dass es viele von ihnen gibt, die unter ganz anderen Umständen aufwachsen, hat ihnen sicher auch nicht geschadet. Und den Floh, den wir aus dem Dorf mitgebracht haben und der Theo gerade in den Kopf beißen will, kann ich rechtzeitig eliminieren.

 

 

 

 

 

Petra
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Petra

TV-Journalistin, Autorin, Entrepreneurin bei Ackerperlen
Ich bin Petra, Mutter zweier toller Jungs und seit 2007 mit meiner Liebe Alexandra verheiratet. Zusammen mit ihr betreibe ich diesen Blog. Darüber hinaus bin ich Jounalistin und Autorin, habe viele Jahre fürs Fernsehen gearbeitet und male, wenn mir die Zeit bleibt, leidenschaftlich gern großformatige Bilder. In meinem TV-Job habe ich die spannenden Geschichten von Talkshow-Gästen vorbereitet. Von August 2014 bis August 2015 habe ich mit meiner Familie eine einjährige Weltreise gemacht. Danach haben wir als Konsequenz der Reise unseren eigenen Bio-Hof "Ackerperlen" gegründet. Das Abenteuer geht also weiter.
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2 Kommentare zu “Über Freiheit und Mut, Bobby Dekeyser und die Heiligen der Müllhalde

  1. noemiboegge

    Not all children in Cebu City are living with the dirt & garbage. If you think Cebu City is so dirty for you, you must not visit again, you might be ill or die due to bad odor if again you stay for few days there. Cebu City is like any other cities around the world which has poor & wealthy inhabitant.Compare to your country, the needy individuals in Cebu City, receives no Social Help. No Free Apartment & etc. Your intension of going there I think is for journalistic purposes.. I think anywhere on this world there are lots of children just live simply the same as in Cebu City struggling for survival the same as you as journalist..Do you think your friend make extra help for those children?.. I think not. Your friend does it as if he would like to save the children from dirt/garbage but in reality your friend is after of maintaining his business in Cebu as laborer received only few pesos compare to the minimum wage of Germany, right?..

    1. Petra Autor des Beitrags

      Hi Noemi, I know that not all children in Cebu City are living in dirt & garbage. I have described a situation in a quarter where our hostel was situated, it was a more poor quarter than others we have seen on our way to Compostela Village. And maybe you have misunderstood my text, I didn’t write especially about the people and the children in Cebu City. I have described our impression we got in Dekeysers project in Compostela Village. And yes, Bobby Dekeyser has his business in Cebu, he told me, because the Filipinos are the best in that special sector, but, of course, it’s surely also because he saves some money. Anyway, I do think Dekeyser gives extra help for those children. If he wouldn’t do nobody would and they would live till now on the dump side. It would be much easier for him to give some money away to do something for the kids. But he didn’t. As far as I have seen he picked a way, which is even more complicated but more sustained. He learned before, which way is the best to bring those families in better conditions and then he discussed this way with the families who were willing to change. Together they brought this extraordinary project to life. I hope the project runs well in the future.

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